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Alpenüberquerung 2006

19. Januar, 2006

Im Winter 2005/2006 gab es nur zwei Möglichkeiten die Alpen mit dem Heissluftballon zu überfahren. Die erste Möglichkeit musste leider ohne uns stattfinden, jedoch wollten wir uns die zweite nicht entgehen lassen.

Auch nach 20 Jahren Ballonfahrt mit vielen schönen Erlebnissen in der Luft rund um unseren Erdball ist eine Alpenüberquerung mit dem Heißluftballon von Nord nach Süd immer noch ein Traum dessen Erfüllung trotz moderner Technik schnell gefährlich werden kann. Ein Traum ist es, da die Möglichkeit die Alpen zu überfahren sehr selten ist. Zum einen ist es wegen der sehr großen Fahrthöhe teilweise 6.000 Metern physikalisch nur im Winter möglich. Zum Anderen muss auf die optimal Wetterlage mit Hochdruckgebiet über den Westalpen und Tiefdruckgebiet über den Ostalpen vorhanden sein. Nur bei dieser Wetterlage ist die Chance in ca. 1.000 Metern über den Alpengipfeln den gewünschten Nordwind zu finden. Wenn dieser Nordwind eine Geschwindigkeit von 50 bis 100 km/h hat kann der Alpenhauptkamm sicher überfahren werden.

Nach ständiger Beobachtung aller im Internet verfügbaren Wetterquellen schien mir an Dienstag dem 17.01.2006 eine Überquerung der Alpen für Donnerstag den 19.01.2006 möglich. Der Anruf befreundeter Ballonfahrer die auch die Wetterlage beobachteten festigte meine Vermutung und ich informierte Ballonkollege und Freund Marcus Strauf aus Waldbröl. Wenn die Staubewölkung am Nordrand der Alpen rechtzeitig aufreißt könnten wir einen Start am Donnerstag Morgen planen. Die Ausrüstung stand schon seit November bereit und aller Termine für die nächsten drei Tage wurden abgesagt.

Am Mittwoch Nachmittag saßen wir im Auto und ich hatte nun bis zum Erreichen unseres Nachtquartiers am Starnberger See sechs Stunden Zeit alle bisherigen Berechnungen noch einmal gedanklich zu prüfen. Sauerstoffversorgung für Pilot und Co-Pilot ist sichergestellt, Flugplan für drei Länder Deutschland, Österreich und Italien ist aufgegeben, Notausrüstung für eine evtl. Übernachtung bei einer Landung in den Bergen ist vorhanden und überprüft. Es ist wie immer: sollte alles wie geplant klappen haben wir mal wieder zu viel eingepackt. Aber wenn der Wind nicht wie vorhergesagt ist, technische Probleme mit Brenner oder gar Funk und Navigation auftreten sind wir vorbereitet.

In den letzten Wettervorhersagen wurde der Höhenwind ab 4.000 Metern überIn 14.500 ft Meeresspiegel für Donnerstag mit 360 Grad also direkt aus Norden mit ca. 45-55 Knoten (80-100 km/h) angegeben. Bei einem Start nördlich des Tegernsees sollten wir also östlich Verona die Alpen verlassen. Genug Reserve nach beiden Richtungen ohne Nennenswerte Hindernisse durch Luftraumeinschränkungen wie militärische Sperrgebiete oder Flugplätze. Wir verabredeten uns mit zwei befreundeten Ballonteams aus Trier auf einem Flugplatz Nähe Bad Tölz um ca. 8.00 Uhr morgens. Mit Erstaunen stellten wir fest das nicht nur wir die günstige Wetterlage ausnutzen wollten. Insgesamt bereiteten sich neben uns insgesamt acht weitere Ballonteams auf die Traumfahrt in die Poebene vor.

Gegen 10 Uhr starteten wir mit einem Gasvorrat von insgesamt knapp Gasvorrat200 kg Propan. Nach ca. 45 Minuten hatten wir ab 5000 Metern Höhe die gewünschte Richtung mit einer Geschwindigkeit von über 90 km/h erreicht. Auf vielen Skipisten in den Alpen hat man eine grandiose Fernsicht, was man aber aus einer Höhe 1.000 Meter über den höchsten Gipfeln zwischen Zillertal und Dolomiten in einem Ballon erleben darf bleibt einfach unübertroffen. Fernsicht von Großglockner bis Gotthard. Die markante Zugspitze rechts neben uns eher klein gegen die Ötztaler oder Zilletaler Alpen vor uns. Die Flugkontrolle Innsbruck begleitet uns über Funk durch Österreich bevor sie uns in Höhe des Brenners an die Italienische Kollegen in Padua übergibt. Auch der Italienische Kontroller ist trotz ausbaufähigen Englischkenntnisse am Flugfunk mit unserer Fahrthöhe und Richtung einverstanden und gibt uns keine Einschränkungen für die nächsten 70 km. Wir können uns weiter unsere Fahrt über den schneebedeckten Berggipfeln genießen und prüfen lediglich Gas sowie Sauerstoffvorrat.

Über den Dolomiten jedoch erkennen wir das südlich der Alpen die Sicht durch Nebel in der Poebene stark eingeschränkt ist. Flugplatz Padua meldet uns auf Nachfrage ca. 200 Meter Sicht was für Ballonfahrer ohne Autopilot viel zu wenig für eine Landung ist. Der Flugplatz Vincenza nordwestlich von Padua hat mit immerhin 3.000 Metern auch nicht optimal Sichtweiten lässt aber auf bessere Sichten direkt hinter den letzten Gipfeln der Alpen hoffen. Nach knapp 31/2 Stunden Fahrt verlassen wir unsere Höhe von 17.3000 Fuß (halb so hoch wie die Reiseflughöhe eines Jumbojets) und bereiten uns auf die Landung vor. Für diesen Abstieg aus 5.300 Metern benötig der Ballon mit einer Sinkgeschwindigkeit von 3 Metern pro Sekunde ganze 29 Minuten. Viel Zeit wenn man eine normal Ballonfahrten von einer Fahrtdauer von 1 bis 11/2 Stunden gewohnt ist.

Nach etwa vier Stunden Fahrt landen wir neben einem Bauernhof San Pedro in Gu zwischen Vincenza und Bassano. Auf Einladung des Bauern können wir in den nächsten drei Stunden bei Espresso und Grappa die Wartezeit auf unsere Rückhohler verkürzen. Nach dieser Ballonfahrt sind wir einer Meinung: 2.500 Kilometer Autofahrt in 21/2 Tagen haben sich gelohnt. Ein Erlebnis an das wir noch gerne zurückdenken werden.