Anzeigen Echo – Ausg. vom 08.02.06

Traumhaft schön: Mit dem Ballon über die Alpen

Oberberg – “Präzise Fahrtvorbereitung ist unerlässlich. Fehler, die auf dem Boden gemacht werden, können in der Luft nicht wieder gut gemacht werden.”

5000 m HöheMarkus Pieper, weiß wovon er spricht. Der 36-jährige Wiehler ist Weltmeister der Heißluftballonpiloten. Er kann auf rund 1.000 Stunden als Ballonpilot zurückblicken.

Auch nach fast 20 Jahren im Ballonsport ist eine Alpenüberquerung mit dem Heißluftballon von Nord nach Süd immernoch ein Traum, dessen Erfüllung trotz moderner Technik schnell gefährlich werden kann.

Nach genauer Wetterrecherche und Planung der Fahrt machten sich Markus Pieper von den Bergischen Ballonfahrern Wiehl und Marcus Strauf vom Ballonsportclub Nümbrecht auf den Weg Richtung nördlichen Alpenrand.

Die Sauerstoffversorgung für Pilot und Co-Pilot war sichergestellt, der Flugplan für Deutschland, Östereich und Italien aufgegeben, Notausrüstung für Notübernachtung in den Bergen überprüft. Bei einem Start nördlich des Tegernsees wollten die Piloten östlich Veron die Alpen verlassen. Genug Reserve nach beiden Richtungen ohne Nennenswerte Hindernisse durch Luftraumeinschränkungen wie militärische Sperrgebiete oder Flugplätze.

GasvoratAm Vormittag starteten die Oberberger mit einem Gasvorrat von rund 200 Kilo Propan im 3000er D-ONGA der Gasgesellschaft Aggertal. Pieper und Strauf entschieden sich für einen langsamen Aufstieg. So hatte der Ballon ab 5000 Metern Höhe die gewünschte Richtung mit der Geschwindigkeit von über 90 km/h erreicht. Fernsicht von Großglockner bis Gotthard. Die markante Zugspitze klein gegen die Ötztaler oder Zillertaler Alpen. Die trockene Kälte von minus zehn Grad macht den Piloten dank der Sonne wenig aus. Nur viel trinken müssen sie – literweise Tee. Sauerstoff gibt es permanent über die Maske. Eine tolle Fahrt.

Dann über den Dolomiten ist plötzlich Nebel über der Po-Ebene auszumachen. Der Flugplatz Padua meldet nur 200 Meter Sicht, was für Ballonfahrer ohne Autopilot viel zu wenig für eine Landung ist. Der Flugplatz Vincenza nordwestlich von Padua hat mit 3.000 Metern auch keine optimal Sichtweiten, lässt aber auf bessere Sichten direkt hinter den Gipfeln der Alpen hoffen. Nach rund dreieinhalb Stunden verlässt der “Aggergas” die Höhe von 17.300 Fuß (halb so hoch wie die Reiseflughöhe eines Jumbojets). Für diesen Abstieg aus 5.300 Metern wird eine halbe Stunde benötigt. Nach etwa vier Stunden und 255 Kilometern Fahrt landen Pieper und Strauf neben einem Bauernhof zwischen Vincenza und Bassano. Dann müssen die beiden aber noch drei Stunden auf ihren Verfolger warten, die mit dem Auto und Ballonanhänger rund 600 Kilometer zurücklegen müssen.

Quelle: Anzeigen Echo – Ausg. vom 08.02.06
Originalbericht als pdf <06.02.08 – AE.pdf>

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