KStA – Ausg. vom 04.04.07

Beinahe Richtung Amerika

Fahrtstrecke der Ärmelkanalüberquerung

Wiehl – Rettungsanzüge sind vorhanden. Der Sauerstoffvorrat kontrolliert. Jetzt geht es daran, das Team kurzfristig zusammenzutrommeln, denn das Wetter verspricht beste Konditionen für die Überquerung des Ärmelkanals und die Fahrtrichtung England.

Die brauchen Markus Pieper, Wilhelm Eimers, Günter Blechschmidt und Matthias Zenge auch, um mit ihren beiden Gasballonen Englands Küste zu erreichen. „Schon kleinste Veränderungen im Luftstrom lassen den Ballon vom Kurs abweichen. Die Navigation mit einem Gasballon ist nicht ganz einfach“, erklärt Pieper, der 2004 die Weltmeisterschaft der Heißluftballonfahrer gewann.

Seit vier Jahren besitzt der Wiehler den Pilotenschein für Gasballons, 1995 machte er den Pilotenschein für Heißluftballons. Seit 18 Jahren lässt das luftige Hobby ihn nicht mehr los. Rund 100 Fahrten absolviert der Diplom-Ingenieur, der sich auch beruflich mit Navigationsproblemen beschäftigt, pro Jahr.

„Doch die Fahrt über den Ärmelkanal ist genau wie eine Alpenüberquerung immer eine Herausforderung. Wir sind auch diesmal fünf Grad nach links von unserem Kurs abgewichen – ein paar Grad mehr und wir hätten die USA angefahren.“ Da ein Gasballon aber nur etwa 20 Stunden in der Luft bleiben kann, wäre das zum Problem geworden, ist Pieper sich sicher.

Die Aussage „Land in Sicht“, nachdem Eimers, der als der erfahrenste Gasballonpilot Deutschlands gilt, die Küste bei Ramsgate gesichtet hatte, löste die Anspannung der Mannschaft. „Wir fühlten uns wie Seefahrer in früheren Zeiten“, sagt Pieper. Er verschlief die zweieinhalbstündige Fahrt über den Ärmelkanal, denn: „Wir wechseln uns mit dem Schlafen bei solchen Fahrten ab. Über Wasser ist es sowieso meist diesig, es gab nichts zu sehen, als habe ich ausgeruht.“

Die Landung erfolgte schließlich nach acht Stunden Fahrt bei Wye. Von dort holte das Team ein eigens organisierter VW-Bus ab, mit der Fähre ging es auf konventionellem Weg zurück nach Deutschland und dort wird zur Zeit schon die nächste Fahrt geplant, die bei günstigen Luftströmungen zu Ostern stattfinden soll. (kho)

Quelle: Oberbergische Volkszeitung – Ausg. vom 04.04.07
Originalbericht als pdf <07.04.04 – KStA.pdf>

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