Über die Alpen in die Lombardei

Alpenüberquerung von Wildsteig / D nach Rezzato / I
Alpenüberquerung
Schon viele schöne Fahrten durften die Teams von Skysailor in den letzten Jahren machen. Ob mit Gas oder Heißluftballon, es waren interessante und zum Teil auch anspruchsvolle Erlebnisse über die wir berichten durften. Die Königsfahrt in unserem Sport ist und bleibt jedoch immernoch eine winterliche Alpenüberquerung im Heißluftballon. Trotz guter technischer Ausrüstung, grossen Ballonen mit ausreichender Tragfahigkeit, optimalem Wetterbriefing vor der Fahrt, sowie GPS-Navigation mit digitalem Kartenmaterial können Mensch und Luftfahrzeug auch schnell an ihre physiologischen und physikalischen Grenzen gelangen.

Track der FahrtNach den ersten Wetterinfos von Montag dem 21.01. wurde für den folgenden Mittwoch eine schnelle nördliche Strömung vorhergesagt. Die Geschwindigkeit sollte jedoch mit über 100 Knoten in weniger als 14.000 Fuss zu schnell sein. Bei dieser Geschwindigkeit ist mit starken Turbolenzen an der Grenzschicht sowie an den Berggipfeln zu rechnen. Die Situation schien am Donnerstag ein wenig besser zu sein. Am Dienstag hatte sich die Situation jedoch schon wieder geändert. Der Scheitelwert des Starkwindfeldes sollte schon in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch über Süddeutschland hinwegrauschen. Danach wurden Windwerte um 40 Knoten für Mittwoch Mittag erwartet. Eine schneller Abnahme auf weniger als 20 Knoten wurde für Donnerstag vorhergesagt. Also wurde kurzfristig die geplante Alpenüberquerung auf Mittwoch verlegt.

Da die vorhergesagte Fahrtrichtung größer als 180 Grad betragen sollte, musste der Startplatz von Hindelang Richtung Osten verlegt werden. Das Team von Ernst Bauer führt uns daher mit einer Karawane aller 18 startwilligen Teams Richtung Bad Kohlgrub. So konnte der gesperrte Luftraum um Davos (25 NM um Davos waren wegen der Weltwirtschafts-Konverenz gesperrt) sowie der Luftraum Alpha rund um Mailand-Malpensa mit ausreichend großem Abstand umfahren werden.

Gegen 10.45 Uhr begannen alle Teams mit dem Aufrüsten nahe der Ortschaft Wildsteig. Der erste Ballon konnte somit gegen 11.30 Uhr starten. Alle anderen folgten ihm im Abstand von rund 2 Minuten, so dass vor 12.00 Uhr alle Ballone planmäßig in der Luft waren. Ab 2.000 m also ca. 5.400 ft nahmen wir dann Fahrt Richtung Süden auf. Vorbei an der Zugspitze mit Blick auf Garminsch-Partenkirchen überquerten wir schon nach kurzer Fahrt die deutsche Grenze weiter Richtung Inntal. Die ersten Ballone erhielten von Innsbruck Radar die Freigabe auf Flugfläche 140 zu steigen. Als einer der vier letzten Ballone des Pulks durften wir den Vorausfahrenden etwas westlich des Pflichtmeldepunktes Whiskey 1 der Kontrollzone Innsbruck auf die neu zugewiesene Höhe folgen.

Gletscher in den Ötztaler AlpenVor uns erhoben sich schon deutlich zu sehen die hohen Ötztaler Alpen mit der über 12.000 ft (3.770 m) hohen Wildspitze mit ihren zwei Gipfeln auf die wir genau zuhielten. Nachdem wir hier die europäische Wasserscheide und gleichzeitig den zweithöchsten Berg Östereich’s überfahren haben schalteten wir auf 124,15 Padova Info. Wir verließen nun Tirol um in den italienischen Luftraum einzufahren. Wir hatten nun schon über 100 km zurückgelegt und fast die Hälfte unsere Reise hinter uns. Die Richtung und Geschwindigkeit war weiterhin gut.

Der schweizer Luftraum mit dem Sperrgebiet um Davos konnte bei ca. 185° sicher umfahren werden und die Geschwindigkeit lässt ein Landung nach weiteren 2 Stunden Fahrt südlich des Gardasee’s vermuten. Am Funk spielen sich gerade zu der Zeit lustige Gespräche ab. Der italienische Kontroller fragte Harry, den Piloten des ersten Ballones, „What ist your destination?“ Natürlich konnte er den genauen Landeort nicht angeben und antwortete das er in der Nähe Brescia noch vor der Autobahn A4 landen wollte. Der Kontroller wollte sich aber nicht damit zufrieden geben und fragte erneut: „What ist your exact place of destination?“. Harry gab ihm nun den Flughafen LIPO (Brescia Montichiari) an, obwohl er natürlich nicht vor hatte mit weiteren 17 Ballonen dort einzufallen. Der Italiener war aber mit dieser Auskunft zufrieden und gab ‚clearance‘ für den italienischen Luftraum.

Die zweite nicht übliche Unterhaltung kam von einem Alpenüberquerer weiter östlich des Brenners. Er wurde wohl mit seinem Ballon kurz nach dem Start südlich München von einer Lufthansa-Maschine überflogen. Der Pilot der Lufthansa befand sich nun kurz nach 13.00 Uhr auf dem Rückflug nach München. Er war wohl von dem Gedanken einmal eine Alpenüberquerung mit dem Ballon zu wagen so angetan, dass er auf der Frequenz Padova Info dem unter ihm fahrenden Piloten des Ballones nach seiner Email-Adresse fragte. Das Buchstabieren dieser Adresse und die Bestätigung der gleichen blockierte nun einige Zeit den Funk. Die Lufthansa bedankte sich jedoch brav bei dem Kontroller und entschuldigte sich kurz für die Störung.

Wir waren in der Zwischenzeit westlich an Meran und Bozen vorbei und hatten nun guten Blick auf das schneelose Etsch-Tal (ital. Adige-Tal) bei Trento. Weiter im Süden war bereits die Nordspitze des Lago di Garda zu erkennen. Der letzte über 11.000 ft hohe Berg, der Monte Care Alto der Adamello-Presanella-Gruppe, wurde überquert. Die Geschwindigkeit stieg nun kaum mehr über 70 km/h und die Richtung drehte immer weiter nach rechts auf mehr als 190°. Wir sanken nun wieder auf FL 120 und schalteten den Funk auf Garda Info.

muss dem kalt sein !!!Zwei Ballone sanken schon vor erreichen der Ebene zwischen dem Fluss Po und den Südalpen unter 9.000 ft. Ob die Gasreserven eine Weiterfahrt nicht möglich machten oder die Piloten das Gelände um den Lago de Idro zur Landung geeigneter fanden wissen wir nicht. Wir setzten unsere Reise fort und sanken erst kurz vor erreichen der A4 auf FL 100. Hier wurden wir von einem Ultralight begrüßt. Warscheinlich dachten wir jeweils über den anderen: „Man muss dem kalt sein“. Garda Info gab uns die Freigabe unter 10.000 Fuß zu gehen. Somit konnten wir am nördlichen Rand der CTR Montichiari bis zum Boden sinken.

Knapp über Grund trieb uns der Wind wie durch die ersten Ballon angekündigt wieder Richtung Norden. Wir suchten uns eine Wiese auf der der grüne D-OWPV fast nicht mehr zu erkennen war jedoch schön sauber blieb. Nach rund 4 Stunden landeten wir sanft in Sichweite zur A4 zwischen Verona und Mailand. Die Rückholer Wingolf und Ede sollten somit schnell bei uns sein. Nachdem wir mit ein paar netten italienische Jugendlichen die Hülle verpackt hatten, stießen Moritz und ich erst einmal auf die geglückte Fahrt an. Nach einer Stunde erreichten uns die Verfolger und wir machten uns bald auf die Rückreise. Nur ein kleiner Zwischenstopp im Südtiroler Ort Rovereto auf Pizza und Rotwein unterbrach unser Heimreise.

Auf diesem Weg noch „grazie ed arrivederci“ nach Italien und für alle anderen Glück ab zur nächsten Fahrt

fleissige Helfer nach der Arbeit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotoalbum => link
Track der Fahrt => link

 

 

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2 Gedanken zu “Über die Alpen in die Lombardei

  1. Wann wird denn der Bericht endlich weiter geschrieben, jetzt wo es gerade so richtig spannend wird und man beim Lesen mehr Angst hat als die Balloncrew. Ist das nicht alles gefährlich, so weit oben in der Luft? Und dann die vielen Ausländer nach der Landung. Ihr traut euch ja was.

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