Es bleibt ein Abenteuer

Alpenüberquerung von Bad Feilnbach/D nach Brescia/I

Schon den ganzen Winter über wurde in regelmässigen Abständen das Wetter in der Alpenregion beobachtet. Oft wurde nach anfänglicher Euphorie über die zu erwartende Wetterlage dann doch klar das es nicht gehen würde. Doch dann am 13.02. wurden die ersten Vermutungen durch die Mail in telegrammform (Das Wetter soll sehr gut sein am Sonntag, 15.2. , 55 kt FL 180, aus 10 Grad; Nebelsituation Italien: laut Wetteramt sehr trocken und keine Nebelgefahr; wenig Bodenwind bei Start und Landung) eines Ballonkollegen bestätig. Der ab 4.000 – 5.000 Metern Höhe erwartet Wind mit trockener Luft in Norditalien wird bei nicht allzustarker Staubewölkung für eine sichere Überfahrt reichen.

Aber auch wenn das Wetter ausreichen sollte ist im Moment genau genommen keine Zeit. Es würden mindestens drei Tage die für Anreise, Überfahrt und Rückreise drauf gehen und das jetzt, wo die Zeit sowieso schon knapp ist…. Doch Jochen und mir fehlte sagen wir mal der Mut diese Gelegenheit verstreichen zu lassen, denn es könnte die letzte für diesen Winter sein. Also wurde in den ersten Telefonaten am Freitag Abend grob die Arbeiten zur Vorbereitung des Materials verteilt. Transponder, Funk, Brenngas Sauerstoff, Stickstoff, alpine Ausrüstung usw. lagen aber nicht wirklich griffbereit und so war die Abfahrt Richtung Süden erst am folgenden Samstag Abend gegen 18.00 Uhr. Unser Verfolger Rainer der sehr kurzfristig einsprang, sollte uns bei unserem Winterabenteuer begleiten.

Gegen 06.00 Uhr am nächsten Morgen wurde in einem Schnellrestaurant mit Internetzugang an der A8 Richtung Salzburg Höhe Abfahrt Irschenberg von insgesamt 8 angereisten Teams die aktuelle Wetterlage letztmalig geprüft und für gut befunden. Der Wind kam nicht genau aus Nord sondern hatte noch weiter nach rechts gedreht. Somit musste die Gruppe der Alpenüberquerer zum Start weiter nach Osten ausweichen um nicht mit westlicher Drift in den Luftraum Alpha um den Flugplatz Malpensa einzufahren. Der Startplatz wurde daher durch die ortsansässigen Ballonfahrer südwestlich Rosenheim festgelegt.

Die Piloten vor dem Start Start der ersten Ballon wurde zwar erst für 10.00 Uhr festegelgt jedoch waren warscheinlich wegen guter Vorbereitung alle Ballone um 9.35 in Ihrem Element. Die anfänglich Drift unter 3.000 Metern führte uns langsam nach Osten und wir verbesserten unsere Position indem wir mit dieser Drift nur langsam stiegen. Nach einer halben Stunde Fahrt stellte sich die gesucht Norddrift bei ca. 4.000 metern Richtung Süden ein. Die ersten Ballone hatten bereits die Grenze nach Österreich überfahren und fuhren westlich Kufstein Richtung Inntal. Der Kontoller von Innsbruck Radar erteilte der Achtergruppe die Freigabe für Flugfläche 160. Hier war zwar die Geschwindigkeit höher aber die Drift drehte hier schon über 200 Grad. Das GPS gab aber Entwarnung: mit dieser Drift sollten wir genau wie letztes Jahr am Flugplatz Brescia südwestlich des Gardasees frei von Luftraum A landen  können.

Weiter führte es die Ballone am Zillertal Richtung Brenner. Ein Blick zurück nach Norden ermöglichte uns herrliche Bilder vom Inntal mit dem Flugplatz westlich der Stadt sowie weiter südlich der Europabrücke unter ein paar Wolkenfeldern zu geniessen. Weiter Richtung Süden war der Blick jedoch frei von Wolken und klarer als bei jeder anderen Alpenüberfahrt zuvor. Ob die guten Sichten der Grund dafür waren das mir vorher nie so viele Flugzeuge über den Alpen aufgefallen sind?

Innsbruck Radar übergab nun die Ballone an den italienischen Kollegen in Padova. Zu ihm sollten Hans, der wie immer souverän den Funk für die Gruppe bis nach Garda Info übernahm, jedoch erst später über Meran Kontakt bekommen.

Meran aus 5.000 Metern

Sieben der acht Ballone blieben relativ dicht beisammen. Lediglich der zuerst gestartete Ballon driftete weiter nach Westen, konnte sich jedoch in tieferen Schichten wieder ans Feld heranarbeiten. Alle Ballone waren zwar mit Transponder ausgerüstet jedoch reichte der Luftüberwachung ein Transpondersignal aus um die Gruppe zu lokaliseren. Weiter südlich an der Grenze zur Lombardei kam jedoch die Beschwerde des Italienischen Kontrollers das kein Transpondersignal von seinem Radar angezeigt würde. Jedoch konnte auch mit dem Ersatztranponder kein Signal lokalisiert werden. Zu unserer Überraschung kam nach kurzer Zeit jedoch nicht die Ermahnung zur Reparatur eines defekten Transponders sondern das Eingeständniss das wohl das norditalienische Radar für den Bereich Gardasee ausgefallen ist. So etwas gibts….

Kurz vor der Überfahrt der Autoabahn A4 zwischen Verona und Mailand konnten wir unsere Reisehöhe von über 5.000 Metern mit mehr als 90 km/h verlassen und sanken nun mit teilweise 5,5 m/s mit trotzdem praller Hülle auf 3.000 ft. Da hier keine nennenswerte Drift festzustellen war hatte ich Zeit die Landeplatz von letztdem Jahr zu suchen um evtl. wieder dort zu landen. Leider hatte der Landwirt in diesem Jahr diese Wiese zum Feld umfunktioniert und wir mussten uns somit etwas anderes suchen.

Ein kleiner Modelflugplatz weiter südlich sah geeignet aus und hatte eine kleine Zufahrtsstraße. Also kurzerhand in der Kontollzone Brescia Marcella angemeldet und zur Landung angesetzt. Leicht gesagt bei wenig Wind. Nach mehrmahligen kreisen um den Platz mussten wir jedoch umdisponieren und landeten genau in dem Moment in dem der Bodenwind durch Termik plötzlich erheblich zunahm. Als wir unseren Landeplatz dann genauer ansahen, mussten wir feststellen das wir von Wassergräben umzingelt waren und die Bergung der Geräte wohl nicht einfach sein würde.

Bergung auf italienischer Art

Zu unserem Erstaunen waren wir jedoch trotz des abgelgenen Landeplatzes viele Zuschauer und gleichzeitig gut ausgestattete Helfer umgeben, die kurzer Hand mit Mensch und Maschine Hülle, Korb und Gasflaschen vom Feld transportierten. Schneller wäre das wohl an einer Straße auch nicht gegangen. Dank GPS konnten wir schon eine Stunde später zusammen mit Rainer nach Kaffee und Grappa auf dem benachbartem Hof  unsere Garäte im Anhänger verstauen und die Heimfahrt antreten. In einem kleinen Hotel verbrachten wir nach gutem Essen die Nacht um am nächsten Morgen ausgerut den Rest unserer Heimreise anzutreten.

Sollte es im nächsten Winter die Möglichkeit geben dieses Abenteuer zu wiederholen, werden wir wenn auch nach kurzem Zögern alles stehen und liegen lassen und uns auf die Reise begeben. Der Weg wird auch hier wieder unser Ziel sein.

Fotoalbum => folgen
Track der Fahrt => link
Bericht von Hans Kordel => link

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