Ballonfahren über Baku – Aserbaidschan

Wenn man eine Reise tut, dann kann man was erzählen. Wenn diese Reise noch mit einem Ballon gemacht wird, dann kann man mehr erzählen. Denn wir Ballonfahrer wissen: Unser Ballon ist der Schlüssel zu den Menschen in fernen Ländern ohne den wir nur schwer oder gar keine Kontakt bekommen würden.

Baku, die Hauptstadt von Aserbaidschan, ist eine weltoffene Stadt mit westlichem Standard. Es gibt auf der Welt nicht mehr viele Gegenden in denen keine Ballone stationiert oder überhaupt schon einmal gefahren sind. Bisher gehört Aserbaidschan zu diesen Gegenden in der warum auch immer noch keine ballon gesehen worden ist. Nun ist auch dieser Fleck auf der Erde ein für alle Mal von der Liste der Ballonfreien Zonen verschwunden.

Anfang Mai wird genau in dieser Stadt am Kaspischen Meer anlässlich des Geburtstages Haidar Alijew’s der verstorbenen Präsident der Kaukasusrepublik und Vaters des heutigen Staatschefes, der „Tag der Blumen“ veranstaltet. Alijew zu Ehren wird der nach ihm benannte Haidar Alijew Park in der Mitte der Stadt Baku mit pompösem Aufwand mit Hilfe tausender Blumen, die nur zu diesem Zweck aus der Niederlande eingeflogen werden, farbenprächtig geschmückt.

In diesem Jahr erkannten die Organisatoren der Baku‘ die Möglichkeit ein besonders Highlight in Form von riesigen Blumen auf Ballonen zu inszenieren. Auf der Suche nach einem kompetenten Partner zur Planung, Lieferung und Durchführung von Fahrten und Displays vor Ort wurde man mit dem Unternehmen geo – die Luftwerker aus Lübeck schnell fündig.

Die fristgerechte Herstellung der Hüllen ist ein wichtiger, aber in diesem Fall auch kleinster Teil dieses Projektes. Dennoch wurde auch dieser Part in gewohnter Routine durch Cameron in Bristol erledigt. Aufregender war natürlich der Transport nach Aserbaidschan, sowie die Fahrten im Vorfeld des Blumenfestes, da bisher nur wenig bzw. keine Erfahrung vorlagen.

Nachdem Ende April aus Baku die Rückmeldung der sicheren und unfallfreien Ankunft der Ballon eintraf, näherte sich das Projekt der wörtlich zu sehenden heißen Phase. Das Team der drei Piloten Robert Meyknecht, Inhaber von geo – die Luftwerker sowie Dominik Baummüller und Markus Pieper, sollte im Vorfeld ein oder zwei Fahrten mit den farbenprächtigen Z140 über Baku machen. Nicht so einfach wenn man bedenkt das sich Baku selber auf einer Halbinsel von ca. 30 km Durchmesser im Kaspischen Meer befindet. Auf dieser Halbinsel befindet sich neben dem dich bebauten Stadtgebiet Bakus mit ca. 2 bis 3 Mio Einwohnern auch im Norden die Stadt Goradil. Dazwischen liegen zwei Seen umrahmt von hunderten Ölquellen sowie im Osten Bakus der Internationale Flughafen als imaginäre Wand vor dem Meer. Also weniger als 5 km Landeflächen außerhalb der Stadt. Sollte doch machbar sein sagt sich der mitteleuropäische Ballonfahrer ohne zu wissen das Baku übersetzt die Stadt der Winde genannt wird. Was logisch klingt wenn man bedenkt das eine Halbinsel meistens an drei Seiten Wasser hat.

Aber bekanntlich werden Probleme erst beseitigt wenn sie vor einem liegen und so wurden nach dem Auspacken und Zusammenstellung des Equipments die Ballone lüfttüchtig gemacht. Eine erste Testfahrt war somit für den 07. Mai vier Tag vor dem Blumenfest geplant.

Die Fahrt war bei Winden um 5 Knoten nicht schwer jedoch boten sich bei der Fahrtstrecke Richtung Osten, also entlang der Küste südlich des Flugplatzes auf ca. 10 km Fahrtstrecke nur eine Landemöglichkeit. Genau die wurde genutzt. Da sich die fast optimale Landefläche jedoch als ein Wasserspeicher der städtischen Wasserversorgung herausstellte, war die Bergung etwas aufwändiger als gedacht. Aber auch dieses Problem wurde nach ca. 2 Stunden auf, sagen wir mal aserbaidschanischem Weg gelöst.

Die Fahrt hatte genau das zur Folge was sich der normale Ballonfahrer hierzulande wünscht: Ich (die Stadt als Eigentümer und Betreiber der Ballone) will mehr. Das die nachfolgenden Fahrten mit Bodenwind um die 10 Knoten aus Süd bei einer handvoll Landeflächen wie einem Stadion, einer Pferderennbahn und ein paar noch schlechteren Angeboten nicht so problemlos werden könnten, ist einem Ballonleihen jedoch schwer zu vermitteln.

Alle Fahrten verliefen jedoch auch ohne nennenswerte Zwischenfälle. Ein kleiner Riss in der Hülle wurde fachmännisch durch den (von uns genannten) LTB geo – die Luftwerker Außenstelle Baku genäht und alle drei Ballone waren einsatzbereit für Ihren großen Auftritt auf dem Fest der Blumen 2010. Neben tausenden Zuschauern, den TV-Stationen aus Aserbaidschan und der gesamten Kaukasusregion sowie der Türkei wurde der Präsident  İlham Heydər persönlich erwartet. Die Schwierigkeit dieses Auftrittes lag schlichtweg in der Tatsache, dass der Präsident um 11.00 Uhr Ortszeit die Ballone nach seinem Rundgang durch den Park sehen sollte. Die letzten Tage waren zwar für die örtlichen Verhältnisse mit knapp 10 Knoten Bodenwind recht windstill, jedoch waren die thermisch bedingten Böen tagsüber recht heftig.

Die Vorbereitungen des Teams um Robert Meyknecht dauerten den gesamten Sonntagnachmittag. Ein letztes Briefing aller Helfer fand am Montagmorgen statt. Alles was getan werden konnte war erledigt und so kam die Stunde der Wahrheit unausweichlich auf alle beteiligten zu. Immerhin waren nun für drei Ballone knapp 30 Personen im Einsatz. Aber auch 10 Personen am Korb oder Leinen halten keinen Ballon mit fast 30 Metern Höhe in der Mittagsthermik der mit zwei seiner Artgenossen auf einem ca. 40 x 90 Metern großen Platz mitten in einer Stadt aufgestellt werden sollen. Man kann zwar viel machen, aber es soll ja nicht nur schön aussehen, sondern auch für alle beteiligten sicher sein.

Im laufe des Vormittags zog zu unserm Glück eine dünne Wolkenschicht vor die Sonne so dass die Sonneneinstrahlung auf den Boden erheblich reduziert wurde. Aus diesem Grunde waren die Böen bis 12.00 Uhr deutlich abgeschwächt. Somit standen die Ballone dank guter Vorbereitung stabil und sicher. Das Projekt Baku 2010 wurde somit für das gesamte Team jedoch insbesondere für „die Luftwerker“ um Robert Meyknecht zu einem weiteren Erfolg des Jahres.

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